„Grenzen wahren, die Intimität schützen“

 

Maria Potthoff-Rottmannn hilft Behinderten als Präventionsfachkraft

 

Wenn sich Maria Potthoff-Rottmann mit ihren Frauen trifft, dann geht es um Grundlagen: „Das ist mein Fuß“, „Das ist meine Hand“, „Streicheln ist schön“, „Nein, das will ich nicht!“ Sie betreut eine Gruppe geistig behinderter Frauen aus dem Marcel-Callo-Haus. Ihr Ziel ist Selbstbestimmung und damit auch Prävention vor sexuellem Missbrauch, das Thema der Fachtagung „Behinderung und Gewaltschutz!“, die am kommenden Mittwoch im Kreishaus stattfindet.

Maria Potthoff-Rottmann gehört zum Team der Präventionsfachkräfte gegen sexuelle Gewalt in der Behindertenhilfe. „Mittlerweile müssen alle Einrichtungen, die mit Kindern, Jugendlichen oder Behinderten arbeiten, diese Fachkräfte nachweisen“, berichtet die gelernte Erzieherin.

 

Auch Cyber-Mobbing ist Thema

 

Tritt ein Fall von sexuellem Missbrauch auf, gibt es Anschuldigungen, gehört sie zu den ersten Ansprechpartnern. „Dafür ist es schon vorher meine Aufgabe, in der Einrichtung ein Klima zu schaffen, in dem über Sexualität gesprochen werden kann. Da darf es keine Tabus geben. Sexuelle Aufklärung ist der erste Schritt zur Prävention gegen sexueller Gewalt.“

Wissen die Bewohner einzuschätzen, was sie wollen, was ihnen guttut, erkennen sie auch, was sie nicht wollen und können das benennen. „Nehmen Sie das Beispiel einer Bewohnerin, die regelmäßig gepflegt werden muss. Hier gilt es Grenzen zu wahren und Intimität zu schützen. Durch ihre große Abhängigkeit sind behinderte Menschen viel häufiger Gewalt ausgesetzt, als Menschen ohne Behinderung und somit besonders gefährdet. Das gilt besonders für Mädchen und Frauen.“

Ihre Aufgabe ist es, bei sexuellen Übergriffen beide Seiten zu hören und nach einem Notfallplan, Eltern und den Leiter der Einrichtung ins Boot zu holen. „Täter und Opfer müssen auf jeden Fall getrennt werden“, betont sie.

Gewalt gegen Behinderte kann überall vorkommen: In der Werkstatt, in der Familie, in der Einrichtung, ausgeübt von Angehörigen und Mitarbeitern, aber eben auch untereinander. Dabei muss sich auch eine Einrichtung wie das Marcel-Callo-Haus - wie jede Schule - mittlerweile mit Cyber-Mobbing beschäftigen. „Da werden mit dem Handy Nackt-Fotos der Freundin gemacht, ohne sich über die möglichen Konsequenzen bewusst zu sein“, weiß Potthoff-Rottmann. Auch da gelte es, die Bewohner über ihre Rechte und auch über die Gefahren der neuen Medien aufzuklären. „Gerade Behinderten fehlt oft das Grundgefühl, da ist einer zu weit gegangen.“

 

Text von Ute Tolksdorf, erschienen in der Westfalenpost am 02.05.2015